KATO - Kanonische Trochäen in der Leseentwicklung

Gängigen Modellen des Schriftspracherwerbs zufolge durchlaufen Kinder im Leseerwerb eine schrittweise Entwicklung von kleineren Einheiten wie Buchstaben oder Buchstabenkombinationen zu größeren Einheiten wie Silben, Morphemen oder ganzen Wörtern. Richtiges und flüssiges Lesen erfordert dabei auch, Wörter rhythmisch in betonte und unbetonte Silben zu gliedern. In nicht abgeleiteten Wörtern ist im Deutschen eine trochäische Struktur vorherrschend, wie beispielsweise in Blume, Hase oder Tasse. Bis heute ist die zentrale Rolle des Trochäus als Komponente einer erfolgreichen Leseentwicklung jedoch zu wenig erforscht. Mit unserem Projekt KATO möchten wir herausfinden, wann Kinder in der Lage sind, Wörter beim Lesen richtig in Trochäen zu gliedern, wie sich diese Fähigkeit in verschiedenen Lesekontexten entwickelt und inwieweit diese Fähigkeit mit der Leseflüssigkeit und dem Lesesinnverständnis in Verbindung steht. In einem längs- und querschnittlichen Design untersuchen wir Schülerinnen und Schüler der 2. und 4. Klassen und setzen dabei selbst entwickelte Aufgaben sowie standardisierte Testverfahren und Fragebögen ein. Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, Modelle der Leseentwicklung in Bezug auf die Wortprosodie zu erweitern und die Wortprosodie als Teil der Lesedidaktik zu etablieren.