Podcast-Projekt „Unerhörtes Mittelalter: Vormoderne Erzählungen und warum man sie unbedingt kennen sollte“

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Des Hundes Not

In dieser Geschichte geht um einen hungrigen Hund, den sein Herr vom Hof gejagt hat, und um eine raffinierte Lerche, die dem verzweifelten Hund zu einer Mahlzeit verhilft. Endlich wieder satt, steht dem Hund der Sinn nach Unterhaltung. Auch diesen Wunsch erfüllt ihm die Lerche. Sie führt ihn zu einer Scheune, von deren Dach aus er dabei zusehen kann, wie sie zwischen zwei Männern, die in der Scheune dreschen, eine Schlägerei anzettelt. Darüber gerät der Hund in ein so heftiges Gelächter, dass er vom Dach stürzt. Was es mit dem Lachen des Hundes auf sich hat, ob die Lerche ihm weitere Wünsche erfüllt und worum es bei dieser scheinbar so leichtfüßigen Geschichte wirklich geht, erfahrt ihr von Prof. Dr. Hans-Jürgen Scheuer (HU Berlin), der für diese Episode zu Gast im Podcaststudio ist.

Ritter und Teufel

Der Ritter, um den es in dieser Geschichte geht, ist überaus verschwendungs- und selbstsüchtig, bis Gott ihm alles nimmt. Weil er den Verlust nicht ertragen kann, bittet er einen Juden um Hilfe. Dieser fädelt eine nächtliche Begegnung mit dem Teufel ein, in dessen Dienst der Ritter treten soll, um wieder zu Reichtum zu gelangen. Doch als der Teufel verlangt, dass der Ritter nicht nur Gott, sondern auch der Gottesmutter abschwören soll, besinnt sich dieser und fleht in einer Kapelle eine Holzfigur der Gottesmutter mit Kind um Vergebung an. Ob ihm Vergebung zuteil wird und ob man eine Geschichte, die Juden offen verunglimpft, heute noch kennen sollte, darüber sprechen wir mit unserem Gast Prof. Dr. Andreas Hammer (Konstanz).

Adam und Eva

Die heutige Erzählung handelt von einem Paar, das wirklich jeder kennt: Es geht um Adam und Eva, doch die Geschichte spielt nicht im Paradiesgarten, sondern hat eine Episode zum Thema, die in der Bibel nicht erzählt wird, nämlich das Leben des ersten Paares auf der Erde. Hier begegnet ihnen auch der Teufel wieder, der ihnen bereits im Paradies nachgestellt hatte. Und er erklärt den beiden, warum er sie so hasst: Ihretwegen wurde er von Gottes Lieblingsengel zu Satan. Wie das zu verstehen ist, erfahrt ihr von unserem heutigen Gast, PD Dr. Beatrice Trînca (HU Berlin).

Der Wirt

In dieser Erzählung geht es um fünf Figuren: Außer einem Wirt und dessen schöner Frau sind das drei junge Männer, von denen einer sogar zaubern kann. Die Geschichte ist in ihrer freizügigen Darstellung sexueller Handlungen zwischen den drei Männern und der Frau, die sich vor den Augen ihres Ehemannes ereignen, außergewöhnlich. Stattfinden können die drastischen Handlungen nur, weil der Wirt sich einreden lässt, eine seltene Planetenkonstellation verwirre seine Sinne. Ob der Erfolg dieser Behauptung mit der Dummheit des Wirtes, mit der Dreistigkeit der Männer oder dem vielen Alkohol, der getrunken wird, zu erklären ist, diskutieren wir mit unseren heutigen Gästen, mit Prof. Dr. Astrid Lembke (Mannheim) und Prof. Dr. Stephan Müller (Wien).

Frauenzucht oder die zwei Zornbraten

Die Erzählung, um die es heute geht, wird ›Frauenerziehung‹ genannt. 

Es geht um Mutter und Tochter, eine boshafter, starrsinniger und widerspenstiger gegenüber dem Ehemann und Vater als die andere. Die Versnovelle erzählt davon, wie ihr Widerstand von einem jungen Ritter durch psychische und durch physische Gewalt gebrochen wird. Ob der Text das als ein happy end präsentiert und warum man sich mit einer solchen Erzählung trotz oder sogar gerade wegen ihrer Gewaltdarstellungen auseinandersetzen sollte, diskutieren wir mit unseren beiden Gästen: Prof. Dr. Judith Klinger (Potsdam) und Prof. Dr. Andrea Sieber (Passau).

Der Striegel

Diese Geschichte erzählt von maximaler erotischer Naivität und unerwartetem sexuellen Begehren. Eine starrsinnige Königstochter besteht darauf, nur einen Mann heiraten zu wollen, der nicht minnen (also keinen Sex haben) kann. Ein findiger Ritter, der eher an ihrem Reichtum interessiert ist, gibt sich als Mann ohne Penis aus und gewinnt dadurch die erotisch unerfahrene Königstochter zur Frau. In der Hochzeitsnacht nennt er das, was er tut, ‚Striegeln‘. Und plötzlich erweist sich die Prinzessin als regelrecht besessen vom Striegel und vom Striegeln. Wohin das führt, erfahrt ihr in unserer neuen Podcast-Folge und im Interview mit Prof. Dr. Kathrin Bleuler (Augsburg).

Tor Hunor

Diese schwankhafte Geschichte verbindet erotische männliche Naivität und weibliche List auf amüsante Weise. Ein reicher Bauer möchte sein Erbe sichern und seinen dummen Sohn mit der schönen Nachbarstochter verheiraten, die ein Auge auf einen Ritter geworfen hat. In der Hochzeitsnacht geht etwas schief. Tor Hunor findet die fud seiner Braut nicht und diese behauptet listig, keine zu haben. Sie wisse einen Ritter, der ihr eine machen könne. Was für Verwicklungen sich aus diesem ‚Fehler‘ ergeben und wie die drei Hauptfiguren zu bewerten sind, diskutieren wir in mit unserer Expertin, Prof. Dr. Elke Koch (Berlin).

Der Rosendorn

Die beiden Hauptfiguren sind eine junge Frau und ihre fud. Ihr habt richtig gehört: In diesem Maere agiert ein weibliches Genital, das durch ein Heilkraut die Fähigkeit zu sprechen erlangt. So kann sich die fud der Dame gegenüber endlich Gehör verschaffen. Sie beklagt sich über die fehlende Wertschätzung, die ihr und ihrem Aussehen stets zuteilwurde. Anklage und Forderungen der fud führen allerdings nicht zu größerer Anerkennung durch die Dame, sondern zur Trennung voneinander, die beide etwas Wichtiges lehrt! Expert*innen im Studio sind diesmal Prof. Dr. Judith Klinger (Potsdam) und Prof. im Ruhestand, Dr. Harald Haferland (Osnabrück).

Studentenabenteuer B

Anders als der Titel vermuten lässt, sind nicht Studenten die Hauptfiguren, sondern die Elben Irreganc und Girregar. Zwei herumreisende Studenten übernachten bei einem Hausherrn. Sie erfinden mit dessen Ehefrau und Tochter die Elben, um den Hausherren an seinem Verstand zweifeln zu lassen. Es geht also um das Unheimliche, das aber eher mit dem Sozialen als dem Magischen zu tun hat. Expertin für diese Folge ist Prof. Dr. Judith Klinger (Potsdam), die alle Antworten auf diese vormoderne Gaslighting-Erzählung mitgebracht hat.

Frauentrost

Die vierte Episode hat mit ehelicher Gewalt ein ebenso ernstes wie aktuelles Thema. Als eine von wenigen mittelhochdeutschen Verserzählungen thematisiert der "Frauentrost" weibliche Suizidalität. In der Erzählung erfährt die Frau, um die es geht, und die aufgrund der Gewalttätigkeit ihres Mannes verzweifelt, Trost von der Mutter Gottes und ihrem Sohn. Der Rat Jesus Christi, der ihr Leben verändert, ist allerdings für moderne Ohren erklärungsbedürftig. Expertin in dieser Folge ist PD Dr. Nina Nowakowski (Mainz).

Die Jüdin und der Priester

Die verbotene Liebe zwischen einem Priester und einer Jüdin bildet den Ausgangspunkt der Erzählung, doch im Zentrum stehen zwei Wunder, die nicht dem Priester, sondern erstaunlicherweise der Jüdin zuteilwerden, als sie unerkannt am Gottesdienst teilnimmt. Was sie sieht, bewegt sie so sehr, dass sie zum christlichen Glauben konvertiert. Wie sind die Wunder zu verstehen? Ist die Taufe der Jüdin eine Herabsetzung des jüdischen Glaubens? Diese und viele andere Fragen diskutieren die Hosts mit den Gästen der dritten Episode: Prof. Dr. Cornelia Herberichs (Fribourg) und Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer (Freiburg).

Ruprecht von Würzburg: Der Preis der Treue

Ist Treue käuflich? Welchen Stellenwert nimmt Treue in der mittelalterlichen und in unserer heutigen Gesellschaft ein? Und wie kann man sie in Konfliktsituationen wahren, in denen sie durch gesellschaftlichen und familiären Druck auf die Probe gestellt wird? In der zweiten Episode diskutieren die Hosts mit Katharina Philipowski und Franziska Wenzel über die Tugendhaftigkeit einer selbstbewussten Kaufmannsfrau, deren Treue zu ihrem Ehemann immens herausgefordert wird. Entscheidet sich die Kaufmannsfrau für das ihr angebotene Geld oder bleibt sie standhaft?

Willkommen zur neuen Podcast-Reihe "Unerhörtes Mittelalter"! Das vierköpfige Team besteht aus Prof. Dr. Katharina Philipowski (Potsdam), Prof. Dr. Franziska Wenzel (Frankfurt a.M.) und den beiden Hosts, Natalie Mlynarski-Jung und Hans Levin (beide Potsdam). Prof. i. R. Dr. Harald Haferland (Osnabrück) leiht den atmosphärischen Nacherzählung regelmäßig seine Stimme! Im Laufe der nächsten Monate werden wir Euch 13 mittelalterliche Novellen vorstellen. In der Pilotfolge sprechen wir über die Textgattung und ihre Besonderheiten, denn die ausgewählten Texte verhandeln teils brutale, obszöne, schockierende, mitunter misogyne, letztlich überraschend moderne Themen, die unsere Gesellschaft auch heute noch umtreiben.