KulturKanal Frankfurt - Text

Von Alina Quast

 

Es war ein ungewöhnlicher Weg, den Edith Holzner absolvierte, bis sie in ihrem jetzigen Beruf als Mitarbeiterin an der Goethe-Universität Frankfurt landete. Die 49-Jährige arbeitet nun seit fast 13 Jahren am Campus Westend. Seit 2017 ist sie Sekretärin von Prof. Dr. Guido Pfeifer am Lehrstuhl für „Antike Rechtsgeschichte, Europäische Privatrechtsgeschichte und Zivilrecht“  obwohl sie mit Jura reichlich wenig am Hut hatte.


„Meine Aufgaben umfassen alles Mögliche: Klausur erfassen, Noten eintragen, Klausuren wieder ausgeben, Korrektoren finden, Mails bearbeiten, die Homepage pflegen und Termine für den Chef ausmachen, obwohl er das meistens selbst macht. Normaler Bürokram eben“, versucht Edith Holzner ihre Zuständigkeiten zusammenzufassen. So richtig kurz und knapp gelingt ihr das dann aber doch nicht. Und es wird noch mehr: „Momentan ist ein Rechtshistorikertag in Planung, da muss ich mehr tun als normalerweise und vor allem Dinge, die ich sonst nicht mache, wie zum Beispiel Rechnungen und alles rund ums Thema Finanzen.“ Einen typischen Tagesablauf habe sie nicht, da, je nachdem, was ansteht, immer unterschiedliche Dinge zu tun seien. Grundsätzlich kümmert sie sich aber immer erstmal um Mails und arbeitet dann die To-Do-Liste ab, die für den aktuellen Tag vorliegt. Anders sieht es mit ihren Arbeitszeiten aus, hier findet man dann doch mehr Beständigkeit: „Ich habe eine Vier-Tage-Woche von 9 bis 14 Uhr. Das ist wirklich sehr nett. An zwei Tagen arbeite ich dann im Homeoffice, wenn da nichts zu tun ist, kann man zumindest mal die Wäsche machen“, fügt die zweifache Mutter lächelnd hinzu. 


Dass für solche Zwischenerledigungen jedoch nicht immer Zeit ist, wird bereits während des Interviews deutlich: Erst kommt immer wieder ein wissenschaftlicher Mitarbeiter herein, weil es ein Problem mit dem Verschieben von Daten gibt, dann möchte eine junge Kollegin etwas von der Sekretärin und schließlich benutzt der Professor das Sekretariat als Durchgang zu seinem Büro. Schon bei diesen flüchtigen Begegnungen wird klar, alle sind super offen und freundlich zueinander und scheinen sich auf Augenhöhe zu begegnen. „Die Leute und die Arbeitszeiten machen den Job einfach aus. Es ist eine super Arbeitsatmosphäre und ich bin jemand, der genau das braucht, erklärt Holzner: „Ich mag es auch, wenn Studierende vorbeikommen und Hilfe brauchen. Das ist was Spezielles, kein Fall ist gleich.“ Trotz der Tatsache, dass es sich um einen Bürojob handelt, ist sie viel im persönlichen Austausch mit anderen.


Doch wie kommt man zu diesem Beruf mitten auf dem Campus? Zunächst einmal machte die 49-Jährige ganz gewöhnlich ihr Abitur und wusste da dann noch gar nicht so richtig, was sie machen möchte: „Ich habe dann ein Jahr bei einem Bekannten gejobbt. Das war in einer kleinen Firma für Handys. Hier war ich für den Kundenkontakt mit den Händlern zuständig.“ Das habe ihr auch sehr viel Spaß gemacht, die fehlende Perspektive hat sie dann jedoch zu einer dreijährigen Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation umgestimmt. „Das ist wie die Ausbildung zur Bürokauffrau, nur habe ich auch Stenografie gelernt.“ Nach der Ausbildung habe sie noch ein halbes Jahr bei der Ausbildungsfirma gearbeitet, allerdings damals schon überlegt, was sie weiterhin machen möchte. Da ihr der Job damals bei ihrem Bekannten so gut gefallen hatte, nahm sie eine Stelle an, die ihrer ersten ähnlich war: „Da ging es um den Kundenservice für Geschäftskunden. Wir waren das Servicecenter, die Kunden haben immer angerufen, wenn es ein Problem gab. Das war echt richtig cool. Ich würde schon sagen, das war mein Traumjob.“ 


Letzten Endes ist es dann aber auch nicht bei dieser Stelle geblieben, denn die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation hätte auf Schichtarbeit und somit Nachtschichten umstellen müssen, was für sie keine Option war. „Im Nachhinein hätten mein Mann und ich das anders machen sollen und irgendwie auf Weltreise gehen sollen oder so“, überlegt Holzner laut, „im Prinzip habe ich dann aber durch meine Schwester den Studiengang Skandinavistik kennen gelernt. Und so habe ich das dann mit dem Nebenfach Kunstgeschichte hier in Frankfurt studiert. Aber nicht in Regelstudienzeit, schließlich habe ich zwei Töchter bekommen.“ Auch wenn sie nach ihrem Studium nie in diesem Bereich gearbeitet hat, würde die Sekretärin das Studium immer wieder machen und redet auch heute noch regelmäßig schwedisch mit ihrer Schwester. Auch mit ihrem Nebenfach Kunstgeschichte setzt sie sich privat noch auseinander. So gehe sie beispielsweise häufiger mit ihrem Mann in Ausstellungen und freue sich über die selbst gemalten Bilder ihrer jüngeren kunstbegeisterten Tochter, die sie stolz über ihrem Arbeitsplatz hängen hat.


Mit dem abgeschlossenen Studium kam dann ein weiteres Mal die Frage auf, wie es jetzt beruflich weitergehen soll. Wieder ist es ihre Schwester, die sie beeinflusst und ihr Stellenanzeigen der Uni mitbringt. Im Jahr 2012, ungefähr ein Jahr nach Abschluss des Studiums, fing die Zweifachmutter einen Halbtagsjob als Sekretärin an, damals noch bei der Professur für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie. „Ich wollte wegen der Kinder halbtags arbeiten, ohne Überstunden befürchten zu müssen. Jetzt sind die beiden zwar schon groß, aber wenn mal was sein sollte, bin ich nachmittags da“, sagt Edith Holzner, „außerdem habe ich die Nachmittage gerne frei.“ Doch der Beruf als Sekretärin bringt auch Nachteile mit sich. Der Job sei nicht immer spannend, auch im Hinblick auf die Bezahlung sei Luft nach oben und die Stunde Busfahrt von Bad Vilbel aus, die bei gutem Wetter immerhin durch eine halbe Stunde Fahrrad ausgetauscht werden könne, sei eine zusätzliche Anstrengung. Im Prinzip würde Holzner gerne nochmal neue Dinge ausprobieren, mit fast 50 Jahren habe sie ja noch ein paar Jahre vor sich. „Wenn, dann würde ich nochmal was in die Richtung Kundenservice machen und dann auch von zuhause aus. Aber ich bin mit meinen Kollegen hier so zufrieden, ich ‚liebe' meinen Chef, der ist super. Aber der Job ist halt jetzt nicht so der Traumjob, einfach von der Sache her.“ 


Auf die Nachfrage, ob sie denn, rückblickend gesehen, somit etwas hätte anders machen wollen, ist sie sich allerdings sicher: „Von der Lebenssituation hat es so einfach ziemlich gut gepasst. Manches geht halt einfach nicht mit Kindern. Vielleicht hätte ich gerne ein Auslandsjahr gemacht, aber so, wie es jetzt ist, ist es eigentlich relativ perfekt.“

Interview: Emilia Velegrakis

 

 

Marilena ist 24 Jahre alt und studiert Englisch und Kunst auf Gymnasiallehramt im 10. Semester an der RPTU Landau.

 

In welchem Semester warst du, als die Corona Pandemie begann?

Marilena: Im vierten Semester.

 

Wie verlief die Umstellung vom ‚normalen‘ Uni-Leben zum Corona-Uni-Leben?

Marilena: Es war eine katastrophale Umstellung, es lief wirklich richtig schlecht. Von null auf hundert: Wir durften nicht mehr in die Uni, alles war plötzlich online, dabei gab‘s ja noch nichts online. Keiner wusste, wie irgendwas funktioniert, auch die Dozenten nicht.
Noch nie hatte jemand von uns Zoom ausprobiert. Alles ging nur noch über Mailkontakt und wir mussten uns halt irgendwie zurechtfinden.

Es gab auch keine Ansprechpartner. Wir hatten die Plattform OLAT und eigentlich lief am Anfang fast alles nur über die. Im ersten Semester war es sogar so, dass es fast keine Zoomkonferenzen gab. Da wurde dann immer nur was hochgeladen und jede Woche kam eine E-Mail vom Dozenten, dass wir die Aufgabe bearbeiten sollen - wie Hausaufgaben. Es war das erste Mal, dass man etwas abgeben musste. Plötzlich war es dann viel stressiger, man musste ja viel mehr lesen. Du musstest dir alles selbst erarbeiten, dazu dann noch Aufgaben lösen und die dann noch in einer gewissen Zeit erledigen und abgeben. Es war echt eine Katastrophe. Erst im zweiten Semester hat es sich etwas eingependelt.

 

Was war für dich am schlimmsten während der Coronapandemie?

Marilena: Am schlimmsten war wirklich, das Gefühl zu haben, nicht mehr zu studieren. Es war eher wie Schule, weil ich ständig irgendwelche Hausaufgaben machen musste. Wenn man Arbeiten nicht abgegeben hat, ist man ‚aus dem Seminar geflogen‘. Und psychisch war es schon belastend, dass man nicht raus durfte, man hatte ja kaum noch Kontakt zu irgendwelchen Menschen. Schwer war es auch für die, die eine Sprache studierten: Viele Seminare liefen nicht über Zoom, sondern man bearbeitete nur Texte und machte Aufgaben. Da konsumiert man fast nur noch stumm. Einsamkeit und Druck waren wirklich am schlimmsten.


Was war mit der Bibliothek bei euch? Die war bestimmt auch zu!
Marilena: Eine der dümmsten Sachen, die die Uni Landau gemacht hat, war, dass sie die Bibliothek - sogar als wir wieder in die Uni durften - zugelassen hat: wegen Coronamaßnahmen. Und das war wirklich problematisch für alle, die einen Lern- bzw. einen Rückzugsort gesucht haben.


Wie verlief die Prüfungsphase bei dir? Was war da anders?

Marilena:  Ich weiß nicht, ob sie die Prüfungen einfacher gemacht haben, sie meinten aber, dass sie Rücksicht auf uns nähmen. Da war es schon fast wieder ‚Glück‘. Wir durften sie ja online schreiben, natürlich wurde davor nur über E-Mail-Verkehr geklärt, wie es abläuft. Und dann war die Panik erst mal groß, da niemand das zuvor so gemacht hat. Und dann musstest du auch noch Glück haben, dass du zu Hause gerade gutes Internet hast...

 

War in den darauffolgenden Semestern etwas anders?

Marilena: Das erste Semester war, wie gesagt, eine Katastrophe. Das zweite ging dann schon besser. Die Dozenten wussten langsam, was sie machen sollten, aber es war immer noch belastend. Es gab eine Zeit lang so eine Art Übergangsphase: Mal traf man sich, mal lief es über Zoom und das war eigentlich ganz cool, vor allem mal wieder da zu sein und alles wiederzusehen. Und ab dann lief es auch irgendwie und sie haben es dann schon ganz gut gemacht - ein paar Dozenten zumindest. Die haben sich richtig drangesetzt und eine gute Lösung gefunden.

 

Wie verlief die Umstellung vom Corona-Leben zum ‚normalem‘ Uni-Leben?

Marilena: Ich habe das Gefühl, alle hatten plötzlich social anxiety (lacht), also wirklich, jeder war total ‚ängstlich‘ im Sinne von: Oh Gott, jetzt sehe ich wieder Menschen! Es hatte seine Vor- und Nachteile, nur von zu Hause aus zu studieren: Es war gemütlich, meistens lag man irgendwie im Bett oder man saß am Schreibtisch, musste nicht viel machen, klappte den Laptop auf, war dann im Seminar und klappte ihn später wieder zu. Und plötzlich musstest du dich auf einmal wieder fertigmachen, in die Uni gehen und sitzt in einem Raum zwischen Studenten. Das war dann schon aufregend, erlösend, aber auch schwer, besonders psychisch. Ich konnte nicht mehr viele Seminare machen. Es war eine Überlastung für mich.


Vermisst du etwas aus der Coronazeit?

Marilena: (Nach langer Überlegung) Ich würde mal sagen, nein. Es ist wahrscheinlich nicht die gesündeste Variante, aber ein Online-Seminar hat auch seine Vorteile. Was sich durch Corona positiv verändert hat? Wenn ein Dozent mal krank ist, aber nicht platt im Bett liegt, haben wir die Seminare für ein bis zwei Wochen online. Und das ist eigentlich ganz angenehm. Aber wirklich vermissen? Eigentlich bin ich froh, dass Corona nicht mehr da ist.


Was hätte deine Uni anders machen sollen?
Marilena:
Die Bibliothek auflassen! Man hätte uns wirklich einen Rückzugsort geben müssen. Irgendwann gab es dann die Regelung, dass sie nur ein paar Stunden offen ist. Jetzt hat sie sogar kürzere Öffnungszeiten als vor Corona.

Interview: Sophie Steyer

 

Vermutlich würden die meisten Studenten und Studentinnen die Aussage bestätigen, dass die Pandemie ein einschneidendes Ereignis für das Studium war. Die Pandemie war mit Blick auf die jeweilige Wohnsituation, das soziale Umfeld, die psychische Belastbarkeit, berufliche Perspektiven und eben auch mit Blick auf den weiteren Studienverlauf eine enorme Herausforderung. Die Studentin Hannah S., die während der Coronapandemie Germanistik im Bachelor studierte, teilt ihre Erfahrungen als Studentin während der Pandemie mit und berichtet, inwieweit Corona das Studium verändert hat.

Wie sah deine berufliche und studentische Situation vor der Pandemie aus? Warst du häufig an der Universität?

Hannah: Bevor Corona zum Thema wurde, war ich im vierten Semester und eigentlich jeden Tag an der Uni, außer freitags. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Nebenfach gewechselt, wodurch ich sehr viele Kurse nachholen musste, und dadurch war ich in der Zeit vor Corona wirklich an vier vollen Tagen die Woche von morgens bis abends am Campus. Das heißt, mein Leben vor der Pandemie war irgendwie genauso, wie man sich ein Leben als Studentin vorstellt. Abends spontan weggehen, zusammen in der Bibliothek Referate vorbereiten, Vorlesungen und Seminare besuchen, jeden Tag unterschiedliche Leute treffen, Hausarbeiten schreiben, lernen und eben alles, was so dazu gehört. Damals habe ich außerdem nebenbei noch gekellnert. Das hat sich mit Beginn der Pandemie schnell erledigt.

Das heißt, dass der erste Lockdown sehr einschneidend für dich war?

Hannah: Ja, das war sehr heftig. Vor allem wenn man einfach daran gewöhnt ist, jeden Tag nach Frankfurt an den Campus zu fahren und dort Kommilitonen zu treffen. Zusammen in die Kurse zu gehen, anschließend in der Mensa zu essen und auch abends mal spontan zusammen etwas zu unternehmen. Die ganzen Alltäglichkeiten, die das Studium so ausmachen, sind von einem auf den anderen Moment einfach nicht mehr möglich gewesen.

Wie hat sich die Coronapandemie auf den Kontakt zu deinen Kommilitonen ausgewirkt?

Hannah: Einige haben sich schon abgekapselt. Auch mit Kommilitonen, zu denen ich heute wieder regelmäßig Kontakt habe, hatte ich während der Lockdowns gar keinen Bezug. Ich weiß von vielen, die ihr Studium während der Pandemie total haben schleifen lassen. Zu anderen hatte ich phasenweise auch regelmäßigen Kontakt über Zoom. So haben wir uns auch mal abends per Zoom getroffen und ein Glas Wein zusammen getrunken [lacht]. Das hat mir sehr geholfen, mich nicht so einsam zu fühlen. Es war sehr schwer für mich, meine Kommilitonen nicht mehr vor Ort treffen zu können.

Spielte Einsamkeit eine Rolle?

Hannah: Obwohl meine Eltern und ich im selben Haus wohnen und ich jederzeit mit ihnen sprechen konnte, hat Einsamkeit eine große Rolle gespielt. Es gab für mich kaum Kontakt zu gleichaltrigen Personen. Nach einer Weile ist mein Freund dann aber zu mir gezogen. Dadurch hat sich vieles verändert und die Situation wurde erträglicher. Aber auch innerhalb der Seminare kam ein seltsames Gefühl der Einsamkeit hoch. Normalerweise hat man Gelegenheit, sich vor und nach den Kursen mit Kommilitonen auszutauschen und diskutiert während der Seminare miteinander. An einem Zoom-Seminar teilzunehmen, ohne wirklich da zu sein und mitunter nur in schwarze Kacheln zu blicken, weil ein Großteil der Teilnehmer ohne Kamera zugeschaltet ist, birgt ein ganz neues Gefühl von Einsamkeit.

Gab es Konflikte in deinem sozialen Umfeld, die außerhalb einer Pandemie vielleicht nicht aufgekommen wären?

Hannah: Mitunter hatte ich häufig das Gefühl, dass es wenig Verständnis dafür gab, dass Studierende unter der Pandemie und unter den Lockdowns zu leiden hatten. Auch innerhalb der Familie bin ich häufig auf Unverständnis gestoßen und wurde gefragt, wieso ich als Studentin überhaupt unter der Pandemie zu leiden hätte. Ich erinnere mich an einen Beitrag, den ich gelesen habe, in dem es darum ging, dass die „armen“ Studenten nicht mehr feiern und saufen können... Man wurde mitunter einfach gar nicht ernst genommen. Das war sehr schade.

Würdest du sagen, dass die Pandemie deine Motivation hinsichtlich deines Studiums beeinflusst hat?

Hannah: Ja, aber das ist irgendwie schwer zu erklären. Einerseits hat Corona mich angespornt, mein Studium schnellstmöglich zu beenden, da ich keine Lust mehr auf die ständigen Zoom- Sitzungen hatte. Die Kurse per Zoom zu besuchen, ist einfach nicht das gleiche – das hat schon sehr an meiner Motivation genagt. Dennoch habe ich mich für sehr viele Kurse eingetragen, da das Studium eine Art Beschäftigungstherapie während der Pandemie für mich war. Man konnte ja nicht viel anderes machen, also habe ich mich in das Studium gestürzt. Andererseits hatte ich totale Angst, meine Bachelorthesis während der Pandemie schreiben zu müssen. Ich wollte einfach wieder an den Campus.

Hast du während der Pandemie mehr oder weniger für dein Studium geleistet?

Hannah: Gezwungenermaßen habe ich mehr geleistet während der Pandemie. Die Dozenten hatten mitunter kein Gefühl dafür, was sie den Studenten aufbürden und dass es die Umstände nicht unbedingt einfacher gemacht haben. Vielleicht dachten die Dozenten auch, man hätte als Student während der Lockdowns sonst nichts zu tun. Ich war in einigen Seminaren eingeschrieben, wo neben Referaten und wöchentlicher Anwesenheitspflicht, die streng kontrolliert wurde, auch noch wöchentliche Abgaben erwartet wurden. Selbst wenn ich ein Seminar nur für den Teilnahmenachweis besucht habe, hatte ich von meinem Gefühl her viel mehr zu tun als für den Teilnahmenachweis in Präsenzseminaren. Generell habe ich mir oft mehr Verständnis von Seiten der Dozenten gewünscht.

Gab es auch positive Aspekte während der Pandemie für dich?

Hannah [schmunzelt]: Die ersten paar Wochen gab es manche Situationen, die ich fast genießen konnte. Gerade im Sommer von der Terrasse aus an Seminaren teilzunehmen, hatte schon sehr was für sich. Aber nach wenigen Wochen konnte ich dem nichts Positives mehr abgewinnen. Die Zeit im Lockdown war eine der schlimmsten meines Lebens. Ich war so froh, als die ersten Kurse endlich wieder in Präsenz am Campus stattgefunden haben. Das war das Schönste überhaupt. Am Anfang war es fast etwas beklemmend, nach all dieser Zeit wieder unter Menschen zu sein. Einfach komisch. Aber die Freude hat so sehr überwogen.

Interview: Victoria Thöne


Sie leiten derzeit stellvertretend die ,,Kita Kairos“ am Campus Riedberg, welche 135 Betreuungsplätze bietet und 40 Mitarbeiter: innen beschäftigt. Damit haben Sie bereits alle Hände voll zu tun. Inwieweit hat die Corona Pandemie ihren Arbeitsalltag beeinflusst und zusätzlich erschwert?

RENNO: Zu Beginn der Pandemie war es natürlich eine große Umstellung für alle, schließlich wusste niemand, wie es morgen weitergeht. Innerhalb weniger Tage war unsere Kita für fast alle Kinder geschlossen. Erst nach und nach konnten die Kinder wieder zu uns kommen und wir so stückweise wieder öffnen.

Durch die schlechte Kommunikation der verschiedenen Ämter und die kurzfristigen Maßnahmen, welche Freitagnachmittag entschieden, jedoch schon montagmorgens umgesetzt werden sollten, hat der erste Lockdown uns alle vor eine große Herausforderung gestellt. Es waren oft Dinge, die auf die Schnelle so nicht umzusetzen waren, beispielsweise das geforderte Hygienekonzept. Auch die Notbetreuung war ein Problem. Zunächst konnten nur Kinder zu uns kommen, deren Eltern beide einen systemrelevanten Beruf hatten. Das wurde mit der Zeit immer mehr gelockert, sodass nach und nach mehr Kinder kommen konnten. Das Problem dabei war nur, dass die Eltern die Info, dass ihr Kind nun wieder betreut werden könne, oftmals vor uns hatten und wir dann überrascht worden sind. Das hat oft zu Chaos bei uns geführt, zumal man zusätzlich auch mit weniger Personal arbeiten musste, da entweder viele erkrankt sind oder aufgrund ihrer Risikogruppe nicht mehr arbeiten konnten. Viele Eltern hatten auch Angst, ihre Kinder zu bringen, sodass das Ankommen in der Kita für viele Kinder sehr schwierig war, da sie zuvor über einen längeren Zeitraum ausschließlich zu Hause betreut worden waren. Die ganze Situation hat alle vor große Herausforderungen gestellt, die nicht einfach waren, aber irgendwie zu händeln sein mussten.

Was bedeutete das denn konkret für die ,,Kita Kairos“?

RENNO: Alles musste neu organisiert werden. Die Notbetreuungsgruppen waren andere als die vorherigen, da natürlich viel weniger Kinder da waren und Geschwisterkinder immer zusammen in einer Gruppe sein sollten. Auch die räumlichen Gegebenheiten, wie zum Beispiel die Essräume, mussten neu organisiert werden. Es gab zeitweise keine Neuaufnahmen mehr und die Eltern durften ihre Kinder nur über die Terrasse abholen, ohne das Gebäude zu betreten. Gerade in unserem Arbeitsbereich war das Tragen einer Maske immer wieder ein Thema. Aufgrund der Personalsituation mussten wir unsere Öffnungszeiten reduzieren. Währenddessen waren auch Teamsitzungen oder Elternabende nicht mehr möglich - das hat gefehlt.

Mittlerweile ist die Pandemie wieder ein wenig abgeflacht. Gehören Dinge wie Notbetreuung, Testpflicht und Hygienekonzept nach wie vor zu ihrem Arbeitsalltag?

RENNO: Ein Hygienekonzept ist unabhängig von einer Pandemie Bestandteil einer Kindertagesstätte. Nur die Ausführung hatte sich zeitweise verändert und muss bis heute immer wieder angepasst werden. Die Begriffe Testpflicht und Notbetreuung fallen immer nur in dem Konsens, dass alle hoffen, dass man da nicht mehr hinkommen wird.

Gibt es zusätzliche Aufgaben, die Sie derzeit aufgrund von Corona erledigen müssen?

RENNO: Aktuell tatsächlich nur noch in abgeschwächter Form. Die Vorgabe aktuell ist, dass PCR bestätigte Fälle weiterhin an das Gesundheitsamt gemeldet werden müssen. Abgesehen davon, habe ich derzeit keine Aufgaben in Bezug auf Corona. Derzeit können wir wieder einen relativ normalen Kitaalltag führen.

Welche Phase der Pandemie ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und was war dabei die größte Herausforderung?

RENNO: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Zeit, als es von heute auf morgen hieß, dass ich mit meinen Kindern Zuhause bleiben muss und wir uns im Lockdown befanden. Teilweise hatte ich dabei einerseits ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht arbeiten und meine Kolleg: innen unterstützen konnte, andererseits war es aber auch privat eine Herausforderung, plötzlich mit den Kindern wieder Zuhause zu sein ohne die Möglichkeit zu haben auf Spielplätze zu gehen oder sich mit Freunden zu treffen und so weiter. Das wird auf jeden Fall lange in meiner Erinnerung bleiben.

Hat Ihr veränderter Arbeitsalltag auch das Verhältnis zu den MitarbeiterInnen bzw. Eltern verändert?  

RENNO: Das Verhältnis zu den Mitarbeiter: innen hat sich zum Positiven verändert. Man ist einfach noch ein bisschen mehr zusammengewachsen und hat auch mal privat erzählt, wenn beispielsweise jemand aus dem eigenen Umfeld Corona hatte oder man sich über die verwandten Risikopatienten gesorgt hat oder ähnliches. Dahingehend ist das Verhältnis zwischen allen noch einmal intensiviert worden. Was die Eltern angeht, da hatten wir immer eine sehr gute Kommunikation. Es wurde zwar nicht immer mit Verständnis auf die jeweiligen neuen Maßnahmen reagiert, wenn es zum Beispiel darum ging, dass die Kindertagesstätte erneut geschlossen werden musste oder Kinder aufgrund eines anderen erkrankten Kindes bereits gegen 10 Uhr wieder abgeholt werden mussten. Da gab es den ein oder anderen Fall, wo Eltern sich beschwert haben und uns gegenüber nicht so nett reagiert haben. Glücklicherweise konnten wir das jedoch immer wieder abwenden, sodass es nie ein großer Streitpunkt geworden ist. Ich denke, das lag unter anderem daran, dass die Nerven aller während der Pandemie einfach blank lagen.

Offensichtlich haben einige Eltern bemerkt, was es bedeutet, wenn die Kinderbetreuung kurzfristig wegfällt. Ist daraus vielleicht eine andere Anerkennung und Wertschätzung der Berufsgruppe Erzieher: innen allgemein resultiert?

RENNO: Das ist eine schwierige Frage. Auf der einen Seite wäre das natürlich sehr wünschenswert. Ich denke das ist einfach abhängig von den Eltern, bei den einen ja und bei den anderen nein. Einen großen Unterschied merke ich persönlich allerdings nicht. 

Vielen Dank für das offene Gespräch.

RENNO: Sehr gerne.

Interview: Larissa Meng


Die Anfänge der Pandemie stellte uns alle vor große Herausforderungen. Mit welchen Besonderheiten ging der Arbeitsalltag im Kindergarten einher?

SOMMER: Als ich im Juli 2020 an den Kindergarten kam, gab es nur die Notbetreuung, weshalb ziemlich wenig Kinder da waren. Wir durften nur in geschlossenen Gruppen arbeiten, uns nicht mischen und mussten natürlich die Hygienevorschriften beachten. Ich musste zu der Zeit außerdem mit meiner Gruppe viermal für zwei Wochen in Quarantäne, was ich oft auch erst sehr kurzfristig erfahren habe; man wurde förmlich aus dem Alltag gerissen dadurch. Das war gelegentlich ein bisschen komisch.

Notbetreuung bedeutet ja, dass nicht alle Kinder kommen durften?

SOMMER: Genau, anfangs durften nur die Kinder kommen, bei denen beide Eltern systemrelevant waren, was sehr wenige waren. Dann durften gestaffelt immer mehr der 135 Kinder wieder kommen, was jedoch für uns sehr schwer umzusetzen war. Die weitere Öffnung kam für uns immer sehr plötzlich: Abends hieß es in den Nachrichten, dass ab dem nächsten Tag auch alle Kinder kommen durften, bei denen nur ein Elternteil systemrelevant ist. Wir mussten dann die Kinder mit ihren Eltern wieder nach Hause schicken, da wir gar nicht das Personal hatten, entweder weil jemand in Quarantäne war oder selbst Mutter oder alleinerziehend ist.

Wurde in der Zeit ein Alternativprogramm für die Kinder umgesetzt, beispielsweise regelmäßige Treffen über Zoom oder andere Plattformen?

SOMMER: Wir haben auf jeden Fall weniger gemacht als andere Kitas, aber wir hatten immer einen Morgenkreis mit Begrüßungsliedern, welchen wir aufgenommen und verschickt haben. Aber im Endeffekt war ein Video von vielleicht drei Minuten nicht ausreichend. Manche Erzieher haben aber auch ‚Hausbesuche' gemacht und standen beispielsweise unten am Balkon – denn richtige Treffen gingen da ja auch nicht.

Das alles ist jetzt nicht mehr so streng geregelt?

SOMMER: Nein, gar nicht mehr. Aktuell gibt es keine Quarantäneverordnung mehr, selbst als Kontaktperson. Alle Kinder dürfen wieder kommen, es gibt keine Maskenpflicht mehr etc. Neu ist jetzt ungefähr seit April 2022, dass wir wieder neue Kinder aufnehmen und die Eltern wieder die Kita betreten dürfen und sie ihre Kinder nicht am Empfang abgeben müssen.

Wie läuft ein aktueller Arbeitsalltag in einer Kita ab?

SOMMER: Der Frühdienst kommt ab 7:30 Uhr, schließt auf und bereitet Frühstück vor. Ab 8:00 Uhr kommen die Kinder, von denen in der Regel bis 8:30 Uhr alle da sind. Weil wir ein teiloffenes Konzept haben, treffen sich die jüngeren Nestgruppen und die älteren Hofgruppen und frühstücken und spielen gemeinsam. Danach trennen sich die Gruppen und veranstalten den Morgenkreis. Wir haben verschiedene Projekträume, in denen sich die Hofkinder mischen und selbst entscheiden dürfen, was sie machen wollen. Mittagessen gibt es zuerst für die kleinen, welche danach gewickelt und umgezogen werden und für ein bis drei Stunden Mittagsschlaf halten. Um 15:30 Uhr gibt es für die Kinder noch einen Snack und danach spielen sie zusammen, bis sie ab 17:30 Uhr von ihren Eltern abgeholt werden.

Welche Aufgaben gibt es für die Erzieher*innen in der Zeit, in der die Kinder schlafen?

SOMMER: Eine Person muss immer im Raum bleiben und ‚Schlafwache' halten, falls ein Baby aufwacht. Die anderen machen währenddessen Pause oder schreiben Protokolle, denn von allen Kindern muss der Tag genau protokolliert werden. Der Spätdienst kann so nachschauen, was während der Frühschicht passiert ist.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Arbeit mit den Kindern sehr anstrengend ist!

SOMMER: Ja, aufgrund der aktuell wieder stattfindenden Eingewöhnungen von neuen Kindern sind die Gruppen mittlerweile sehr voll und wir haben eigentlich viel zu wenig Personal, um das alles abzudecken. Abgesehen davon können wir mittlerweile aber wieder unserer alltäglichen Arbeit nachgehen und die ist an manchen Tagen mehr und an anderen weniger anstrengend.

Wie haben die Kinder die vielen Veränderungen aufgenommen? Konnte man etwa Änderungen am Verhalten feststellen?

SOMMER: Viele Kinder hatten Schwierigkeiten, sich von ihren Geschwistern zu trennen, da diese in der Regel in anderen Gruppen sind. Viele Kinder hatten in der Zeit keine Betreuung außer von den Eltern; das Soziale fehlte, sodass sie gar nicht mehr richtig wussten, wie man auf andere Kinder zugeht und gemeinsam zu spielen anfängt. Teilweise gab es auffälligeres Verhalten, weil die Kinder zu Hause viel Tablet gespielt haben und wenig Bewegung hatten, das ist aber mittlerweile wieder in Ordnung. Manche Kinder konnten das Erlebte besser und andere schlechter verarbeiten. Teilweise beobachten wir Entwicklungsdefizite, die aber in der Regel aufgeholt werden können.  

Gab es staatliche oder auch psychologische Hilfe, die man wahrnehmen konnte als mitarbeitende Person oder auch als Kind oder Elternteil?

SOMMER: Von psychologsicher Hilfe wüsste ich nichts, aber da wir eine Betriebskita sind, haben wir einen Betriebsarzt, zu dem man wahrscheinlich hätte gehen können. Sonst gab es einen Coronabonus von einmalig 300 Euro. Viele Eltern haben gesagt, dass sie die Schließung auch finanziell gemerkt haben. Drei Mahlzeiten am Tag plötzlich selbst bezahlen und auch kochen zu müssen, hat für viele einen Unterschied gemacht. Gerade am Anfang war es eben eine große Umstellung, aber mittlerweile geht es zum Glück aufwärts. 

Vielen Dank für das Gespräch!